Historisches

 

Noch viel unentdecktes oder unveröffentlichtes Material gibt es in der Geschichte der Völker und deren Umgang mit Bäumen. 

So waren zum Beispiel gerade die Kelten und Germanen sehr naturverbundene Menschen. 

Deren Empfinden dem Baum, Wald und Natur allgemein gegenüber könnte ein Bewusstsein erreicht haben, das der moderne Mensch nur schwer erreichen kann.

 

    

 

 

Naturbau-Einfriedungen mittels Hecken, Verflechtungen und Erdwällen

 

Hecken zählen zu den natürlichsten Formen einer Grenzbefestigung und Einfriedung. Ihre einfachste und bis heute gebräuchlichste Anwendung ist die Gartenhecke.

Zum Schutz von Lagerplätzen, Wohnhöhlen, Häusern, Anwesen und später ganzen Siedlungen vor überraschenden Angriffen von Raubtieren oder Feinden benutzten schon die Menschen der Vorzeit Sicherungen in Form von Einzäunungen aus Ästen und Dornensträuchern.
Heckenanpflanzungen konnten durch Pollenanalysen bereits für die Bronzezeit nachgewiesen werden

Julius Cäsar berichtete von dichten „Hagen“, die von den "Nerviern" im heutigen Belgien angelegt wurden:

„Um die räuberischen Einfälle der Reiterei ihrer Nachbarn abzuwenden, hatten sie überall Hecken angelegt.
Sie kappten zu dem Ende junge Bäume, so dass sie nach den Seiten junge Zweige ansetzten und pflanzten dann Dornsträucher dazwischen. So bildeten diese Hecken förmlich dicke Wände, die nicht bloß den Durchgang sondern selbst den Blick hindurch unmöglich machten.“ (aus De Bello Gallico, Buch II, Kapitel 17)

Aufwändiger ist eine Form mit Wällen und Gräben. Im Jahre 16 wird von Tacitus über einen Grenzschutz der Angrivarier, den Angrivarierwall, berichtet, der zum Schutz vor den Cheruskern errichtet wurde. 

Die Angelsächsischen Chroniken sprechen von einer Bebbanburg, die um 547 „zuerst von einer Hecke befestigt...“ war. Auch die Kapitularien Karls des Großen erwähnen „mit Hecken bepflanzte Wälle“.

In England heißen vergleichbare Anlagen „Dyke“ (Deich) oder „Ditch“ (Graben), so der um das Jahr 360 gebaute Bokerley Dyke, der in den auf das Jahr 300 v. Chr. datierte Grim´s Ditch übergeht oder der 270 km lange Offa´s Dyke. Auch das Danewerk gehört zu dieser Gruppe von Sperrwerken.

Auch bei den Normannen ist die Existenz von „Hagediken“, mit Hecken bepflanzten Wällen, überliefert.

 

Mit Landwehr, Landgraben und Landhege werden vorneuzeitliche Grenzmarkierungs- bzw. Grenzsicherungssysteme bezeichnet. Sie werden zumeist ins Hoch- und Spätmittelalter datiert.
Solche Anlagen werden jedoch bereits seit der Antike erwähnt.

Sie bestanden in der Regel aus

  • einem oder mehreren undurchdringlichen Gehölzstreifen aus untereinander verflochtenen Hainbuchen (dem "Gebück") und unterpflanzten Dornensträuchern (dem "Gedörn")
  • einem oder mehreren Erdwällen
  • Gräben vor, zwischen und hinter den Erdwällen, die je nach Lage zeitweise auch mit Wasser gefüllt waren
  • Warttürmen oder Schanzen - auch an Straßendurchgängen

 

Der Bau einer Landwehr war eine wirksame Maßnahme, die Bevölkerung eines Territoriums gegen Übergriffe von Nachbarn und Feinden in Fehden, Kriegen aber auch Friedenszeiten zu schützen und einen Rechtsbezirk eindeutig abzugrenzen. Die Landwehren waren auch ein Mittel, Auswirkungen mittelalterlicher Kriegsführung einzuschränken und somit vorzubeugen. Sie behinderten außerdem Räuberbanden am Betreten des geschützten Gebietes und erschwerten ihren Rückzug nach Beutezügen. Die Kombination von Gebück und Gedörn war ebenfalls gut zur Einhegung von Viehweiden und als Leitlinie bei der Wolfsjagd geeignet. 

Gesicherte Durchlässe durch die Landwehr gab es nur auf Durchgangsstraßen, an denen analog zu den Toren in einer Stadtmauer Waren- und Personenkontrollen stattfanden. Daneben dienten Landwehren auch als wirksame Zollgrenzen.

Es kam vor, dass auch Handelswege beidseitig durch Landwehren geschützt wurden.

 

Nach der Fränkischen Landnahmebis ins späte Mittelalter wurden Gaue, Zehnten, Gerichtsbezirke  von Landwehren in Form von Hecken (Heegen), Gebücken und Gedörnen umhegt. Ziel der Sperrwerke war der Schutz der Landbevölkerung sowie des jeweiligen Gebietes gegenüber fremden Herrschaftsansprüchen und kriegerischen oder räuberischen Übergriffen. Landwehren waren eine deutliche Grenzmarkierung und zugleich, wenn sie die Außengrenze zu einem anderem Herrschaftsbereich kennzeichneten, auch Zollgrenze. Auch innerhalb eines Territoriums gab es bisweilen Landwehren, die die einzelnen Ämter unter Einbeziehung von Bächen und anderen natürlichen Hindernissen untereinander abgrenzten. Diese „inneren“ Landwehren, sogenannte Zwischenlandwehren, waren in der Regel nicht so aufwändig ausgeführt wie jene an den Außengrenzen.

Bezeichnungen wie Hege bzw. Heege, Hag und Haag sind die Stammwörter unseres heute üblichen Begriffes der  „Hecke“.
Eine Hecke (v. althochdeutsche: hegga = hegen, einhegen, umzäunen, ae. hecg, engl. hedge, frz. haie, nndl. heg, all diesen Begriffen ist derselbe Wortstamm „hag“ zu eigen) ist ein linienförmiger Aufwuchs (ein- oder mehrreihig) dicht beieinander stehender und stark verzweigter Sträucher oder Büsche.
Die Silbe heck bedeutet beschützen, behüten, Hecke und beschreibt die Abgrenzung eines Ortes im Allgemeinen oder durch eine Heckenumpflanzung im Speziellen. Ortsbezeichnungen mit hagen oder ha(a)g im Namen sind häufig.

Hecken wurden zur Futtergewinnung des so genannten Blattheus oder des Baumgrases geschneitelt, d.h. regelmäßig der jungen Triebe beschnitten, zur Gewinnung von Gerberlohe genutzt und niederwaldartig bewirtschaftet worden, d.h. niedrigstämmige Bäume wurden auf Kopf gesetzt und regelmäßig beschnitten, so dass ein niedrigförmiger „Wald“ entstand.
Die typische Kastenform der barocken Gartenhecken erinnert an diese Form bäuerlichen Wirtschaftens.
Auch die Begriffe Laube und Laubengang entspringen der Bewirtschaftung der Blätter liefernden Hecken und Bäume. Diese Bewirtschaftungsweise lässt sich bis in die Frühzeit des Überganges von der Sammler und Jägerkultur zur sesshaften Landwirtschaft nachverfolgen. Dabei lieferte des „Laubgras“ die Nahrung für das Vieh im Winter, oder wenn die Hitze des Sommers (vor allem im mediterranen und nahöstlichem Kulturraum) das Gras verdorren ließ.
Reste dieser bäuerlichen Kulturen lassen sich an verwachsenen Schneitelbäumen (sehen wie Kopfweisen aus) und traditionellen Lebensweise vor allem noch in Rumänien finden.

Um diese Funktion dauerhaft ausfüllen zu können, bedürfen sie heute regelmäßiger Pflege, da typische Nutzungen wie das Schneiteln und Loh- und Brennholzgewinnung ausbleibt. Das Schnittholz diente als Brennholz und war während Holzmangelzeiten sehr begehrt. So war die Pflege durch Schnitt oder Hieb gewährleistet, und der Aufwuchs von Gehölzen, die ein gutes Ausschlagvermögen besitzen, wurde gefördert.

Ausgesprochene Weichholzarten, beispielsweise Holunder, in der Hecke bekämpft werden, weil sie kurzlebiger sind und zu Lücken in der Hecke führen können.

 

Bewachsen waren der Gehölzstreifen und die Wälle mit einer Hecke aus Hainbuchen, die in Manneshöhe geschnitten wurden und deren Äste abgeknickt (daher das Wort "Knick"), mit den anderen Ästen verflochten und in den Boden zum erneuten Ausschlagen gesteckt wurden. Daraus ergab sich das so genannte Gebück. Als Untergehölz nutzte man, damit die Hecke undurchdringlich wurde, Heckenrosen, Weißdorn, Schwarzdorn oder Brombeeren. Daher stammt mancherorts der Name „Gedörn“. Die Anlage wurde darüber hinaus von höherem Bewuchs freigehalten. Das Vorfeld war größtenteils gerodet.

Wie eine Wehrhecke/Gebück angelegt wurde beschreibt Hermann Bär aus Eberbach 1790 wie folgt:

„Die Anstalt ward auf folgender Art getroffen. Man warf (schnitt) die in diesem Bezirke stehenden Bäume in verschiedener Höhe ab, ließ solche neuerdings ausschlagen und bog die hervorgeschossenen Zweige nieder (biegen-bücken). Diese wuchsen in der ihnen gegebenen Richtung fort, flochten sich dicht ineinander, und brachten in der Folge eine so dicke und verwickelte Wildnis hervor, die Menschen und Pferden undurchdringlich war.“

Bei regelmäßiger Pflege und „Heege“ entstand so im Verlaufe weniger Jahre (ca. 10 Jahre) ein nahezu undurchdringlicher Gehölzstreifen. Aufwändigere Landwehren mit Verteidigungsfunktion bestanden aus mehreren parallelen Gräben und Aushubwällen mit Bepflanzung. Insbesondere Doppelgräben sollten verhindern, dass sie von Reitern übersprungen werden konnten. Weitere Ausführungen waren die so genannte Wehrhecke (Knick), zu deren Unterhalt das Knickgeld eingezogen wurde.


Schematische Skizze eines alten Gebück-Restes
Quelle: "Die Befestigungsweisen der Vorzeit und des Mittelalters". Wiesbaden 1898
von Karl August von Cohausen (1812–1894)

Der Bau und die Unterhaltung der Landwehren waren auf lange Sicht angelegt. Bis sich eine undurchdringliche Hecke bildete, vergingen auch bei ständiger und aufwändiger Pflege („Hegen und Pflegen“) bis zu zehn Jahre. Auch danach mussten die Gräben und der Hählweg, ein Kontrollweg entlang der Landwehr, immer wieder von Bewuchs befreit und funktionsfähig gehalten werden. 

Vorsätzliche Beschädigungen einer Landwehr wurden mit harten Strafen geahndet. So reichte der Strafrahmen bei der mehr als 100 Kilometer langen Westfälischen Landwehr im Teutoburger Wald von Amputation der rechten Hand bis zur Todesstrafe. Aber auch das durchqueren der Landwehr an dafür nicht vorgesehenen Stellen wurde vielerorts mit Strafen versehen. Bei der Rhöner Landwehr sind für das Durchqueren des Gebücks oder das Betreten des Hählwegs Geldstrafen bis zu fünr Gulden belegt.


Vorteile, die Hecken bieten:

Verringerung der Windgeschwindigkeit führt zu Verringerung der Winderosion und der Austrocknung.

Bodenschutz vor Wassererosion und Bodenbewegung in Hügellandschaften und im Gebirge.

Erhöhte Verdunstung: Gehölze verdunsten mehr Wasser als krautige Vegetation, im Sommer werden Temperaturmaxima am Tage gesenkt und Temperaturminima durch verminderte Ausstrahlung und latente Wärme angehoben.

Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit: Durch den Laubfall und durch absterbende Staudenteile des Saumes kommt es im Herbst im Umfeld der Hecke zu einer Anreicherung der Böden mit Rohhumus.

Langfristig ergab sich auf den Knickböden, Standorten ehemaliger Hecken, eine höhere Bodenfruchtbarkeit als auf angrenzenden Ackerflächen.

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